Doug Hammond war bereits ein weitüber Jazzkreise hinaus anerkannter Musiker und Lehrer, als ihn 1989 der oberösterreichische Jazzmusiker und Pädagoge Adelhard Roidinger an das damalige Brucknerkonservatorium nach Linzbrachte. Roidinger war einer der wesentlichen Begründer der „Jazzabteilung" am „Konsi", wie die Talentschmiede an der Donau liebevoll genannt wurde. Jazz erlangte damals seine erste Blüte in Oberösterreich und das Konsi wurde in Jazzkreisen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und geschätzt. Doug Hammond hat zu diesem Ruf ganz wesentlich beigetragen. Und dies nicht nur als weltbekannter Instrumentalist, sondern vor allem als Lehrer und Vermittler afro-amerkanischer Musiktradition. Diese interkulturelle Vermittlungsarbeit machte ihn in den folgenden 18 Jahren bis heute zu einem der wesentlichsten Proponenten des offenen und grenzüberschreitenden Klimas an der zur Universität herangereiften Schule „Anton Bruckner Privatuniversität".
Dass Musik im Leben Doug Hammonds nicht nur Handwerk und das Vermitteln seines Könnens und seines musikalischen Erbes war und ist, sondern immer von ihm als Dialog mit jungen Musikern verstanden wurde, bewies er in all den Jahren in Linz nicht nur an der Bruckneruniversität, sondern in vielen offenen Sessions an verschiedensten Spielorten in Linz und Oberösterreich. Am bekanntesten wurde wohl die Reihe „Jazz am Berg", die er gemeinsam mit dem Leiter des Bildungshauses St. Magdalena, Roland Spitzlinger, vor 15 Jahren ins Leben rief. Ziel dieser Reihe war und ist es, immer wieder herausragende Interpreten des Jazz und Blues nach Linz zu bringen und sie seinem musikalischen Umfeld hier zu präsentieren. Nicht als „fremde" Beispiele einer „anderen" Musiktradition, sondern als Teil eines immerwährenden interkulturellen Dialogs, den Hammond stets lebte und bis zum heutigen Tag pflegt.
Für die Auswahl seiner Gäste waren nicht Namen ausschlaggebend, sondern Qualität und die Verbundenheit mit Blues, jener afro-amerikanischen Musik, die wohl wie keine andere die Musikgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts prägte. So waren in den vergangenen 15 Jahren unter anderem bei „Jazz am Berg" zu hören: Cedar Walton, Mal Waldtun, Kirk Lightsey, Andy Milne, Sonny Simmons, Lousiana Red, Reggie Workman, Fritz Pauer, James Blood Ulmer. Alles großartige Musiker und „trend setters" des Blues und Jazz.
Dem Künstler Doug Hammond würde man jedoch nicht gerecht werden, würde allein die Liste seiner Mitspieler und Bands als Beleg aufgelistet werden. Bereits vor 15 Jahren war über Doug im „Oberösterreichischen Kulturbericht" zu lesen: „Doug Hammond ist auch Komponist. Als einer, der sich ernsthaft bemüht, Stücke von großer Gestalt zu formulieren. Er tut dies mit aller Ernsthaftigkeit und Geschlossenheit. Dabei verlässt er nie die Gravitationskraft des Swing. Als Stückeschreiber erhielt er die höchsten Auszeichnungen, wie etwa durch das „Düsseldorf New Musik Ensemble", das seine Kompositionen aufführte. Dieses Ensemble spielte seine Werke auf Platte „Mingus Moves" ein." (zur Ehre des legendären Bassisten Charles Mingus, einem der Lehrer Doug Hammonds; Robert Urmann, November 1992)
Ja, und da ist auch der Poet und Denker Doug Hammond. Kein Gespräch mit ihm endet bei Jazz oder der musikalischen Urkraft des Blues, seinen eigenen künstlerischen Wurzeln. Das Leben, seine persönlichen Erfahrungen sowie sein ständiger Dialog mit Menschen zwischen Kulturen prägen sein Werk. Kaum jemand anderer könnte der Würdigung durch den jungen „Landeskulturpreis für Kunst im interkulturellen Dialog", der heuer zum zweiten Mal vergeben wurde, besser gerecht werden, als die künstlerische Persönlichkeit und der Mensch Doug Hammond. Doug pflegt nicht den Dialog, er IST dieser Dialog! |
Jurymitglied Dr. Chibueze Udeani über den Preisträger: Begegnung mit Doug Hammond
Vor mehreren Jahren begegnete ich Doug Hammond das erste Mal in einem afrikanischen Lokal in der Linzer Altstadt. Ich wusste nicht, wer er war, aber dieser ruhige, einfache Mann fiel mir auf den ersten Blick auf. Wir unterhielten uns kurz, er kam auch mit anderen Migranten und Migrantinnen ins Gespräch und wir verloren uns wieder aus den Augen. Unsere Wege kreuzten einander später noch mehrmals. Bei der Sichtung der eingereichten Bewerbungen und Vorschläge für den „Landeskulturpreis für Kunst im Interkulturellen Dialog 2007" des Landes Oberösterreich blickte mir plötzlich sein Gesicht auf einem Foto entgegen. Beim genaueren Studium der beigelegten Unterlagen erkannte ich erst, mit wem ich über die Jahre immer wieder Blickkontakt und unausgesprochen eine gemeinsame Wellenlänge genossen hatte. Im Zuge der Vorbereitung für die Preisverleihung wurde er zu einem Interview eingeladen und ich entdeckte neben der bekannten Ausstrahlung auch eine Vielzahl mir bislang unbekannter Fakten zu Doug Hammond:
Seine Oberzeugungen bezüglich Integration vertritt er auf unaufdringliche und zugleich authentische Art. Es gelingt ihm, diese Grundhaltung nicht nur entschieden zu vertreten, sondern auch zu leben. In dieser Hinsicht ist er für viele, vor allem für Afrikaner und Afrikanerinnen zu einem Vorbild geworden. Selbst ein Fremder unter Fremden, weist er im Gespräch mit Migrantlnnen bei unterschiedlichsten Gelegenheiten auf die sich bietenden Bildungschancen in Oberösterreich hin. Er motiviert sie, neben den Grenzen und Schwierigkeiten den Blick auch für die sich hier bietenden Möglichkeiten zu öffnen.
In der Ausbildung von angehenden Musikern und Musikerinnen an der Jazzabteilung der Anton Bruckner Privatuniversität geht es für ihn vor allem darum, interdisziplinär und interkulturell grundlegende musikalische Erfahrungen zu sammeln. Nur so können sie wahre Tiefe gewinnen und längerfristig ihr kreatives Potential entfalten. Die Jury war sich einig: Doug Hammond zeigt durch sein Leben und sein Werk auf, wie Integration für beide Seiten bereichernd sein kann: für das Gastland und für den Zugewanderten. Werden Migrantlnnen ihren Fähigkeiten entspreche Entfaltungsräume eröffnet und wer diese von der betroffenen Person r Engagement wahrgenommen, so 1 sich herausragende Früchte ernter zählen heute Früchte Doug Hamm neben seiner Musik und seinen Ge ten auch eine bodenständige Pers( keit, die mich zum Abschluss des I views bat: „Do not make me too b am small." |